Am Donnerstag, dem 16. April 2026, von 15:30 bis 17:00 Uhr, verteidigt David van Putten seine Dissertation mit dem Titel: Das Tier, das nicht versprechen kann: Zur Logik der Schuld (Het dier dat niet beloven kan: Over de logica van de schuld).
Betreuer: Prof. Dr. M. Huijer (EUR)
Mitbetreuer: Dr. S. van Tuinen (EUR)
Ort: Senatssaal, Erasmus-Gebäude, Campus Woudestein
Kurzfassung der Dissertation:
(Finanzielle) Schulden sind im 21. Jahrhundert eine zunehmend prominente Quelle politischer Spannungen. Trotz der vielfältigen sozialen Probleme, die Schulden mit sich bringen, herrscht jedoch weiterhin die allgemeine Auffassung vor, dass sie immer zurückgezahlt werden müssen. Warum besitzen Schulden diese moralische Kraft? Diese Dissertation untersucht die verschiedenen Gründe für die Rückzahlung von Schulden und thematisiert das Verhältnis zwischen Schulden einerseits und Gewalt, Gerechtigkeit, Gemeinschaft und „Subjektivität“ (im philosophischen Sinne) andererseits.
Eine der zentralen Erkenntnisse ist, dass Schulden oft fälschlicherweise als pädagogisches Instrument betrachtet werden. Es besteht die Tendenz, Schulden als eine Form der Disziplinierung zu interpretieren, die dem Schuldner ein Verantwortungsgefühl vermitteln soll. Ausgehend von der sprachlichen Verwandtschaft zwischen finanzieller und moralischer Schuld (im Englischen „debt“ und „guilt“) wird angenommen, dass das eine zum anderen führt, sodass finanzielle Schulden beim Schuldner ein Schuld- oder Verantwortungsgefühl auslösen. Solche Vorstellungen liegen verschiedenen Rehabilitationsprogrammen für Schuldner zugrunde, wie etwa Sparprogrammen für Staaten oder Schuldenrestrukturierungen für Privatpersonen. Das Problem dieser Denkweise besteht jedoch nicht nur darin, dass sie auf einer Fehlinterpretation der Philosophen beruht, von denen sie üblicherweise abgeleitet ist (Foucault, Nietzsche), sondern auch darin, dass die Wirkung von Schulden auf Schuldner falsch interpretiert wird. Denn Schuldner gewöhnen sich tendenziell an ihre Schulden und werden dadurch zunehmend gleichgültig gegenüber den Anforderungen der Gesellschaft – unfähig, Versprechen abzugeben, wie der Titel dieser Dissertation besagt.
Weitere Informationen: www.eur.nl
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